Operation des Kniegelenks bei Arthrose

Operation des Kniegelenks (Arthroskopie) bei Verschleiß (Arthrose) im Kniegelenk

Diese Faktenbox soll Ihnen helfen, Nutzen und Schaden einer Operation des Kniegelenks (Arthroskopie) bei Verschleiß (Arthrose) im Kniegelenk abzuwägen. Die Informationen und Zahlen stellen keine endgültige Bewertung dar. Sie basieren auf den derzeit besten wissenschaftlichen Erkenntnissen.

Die Faktenbox wurde vom Harding-Zentrum für Risikokompetenz erstellt.

Was ist Verschleiß (Arthrose) im Kniegelenk?

Bei Verschleiß (Arthrose) im Kniegelenk kommt es zu einer Schädigung (Degeneration) der Knorpelschicht im Knie. Arthrose ist die häufigste Gelenkerkrankung und tritt vermehrt im höheren Alter auf [1].

Es gibt viele verschiedene Faktoren, die eine Arthrose im Knie begünstigen (z.B. Übergewicht oder anhaltende Fehl- und Überbelastung). Bei fortgeschrittener Erkrankung kann es zu einer vollständigen Abnutzung der Knorpelschicht (Knorpeldegeneration) und anderen Gelenkstrukturen kommen. Symptome einer Arthrose sind Spannungsgefühle, Einschränkungen der Beweglichkeit im Gelenk sowie im späteren Verlauf der Erkrankung Ruhe- und Belastungsschmerzen [1].

Was passiert bei einer Operation des Kniegelenks (Arthroskopie)?

Bei einer Operation im Kniegelenk (Arthroskopie) werden unter örtlicher Betäubung oder Vollnarkose durch einen kleinen Schnitt feine Schläuche in das Knie eingesetzt und Flüssigkeit in das Knie gespritzt, um loses Gewebe und Knorpel-Partikel aus dem Kniegelenk auszuspülen. Diesen Vorgang nennt man Lavage.

Werden bei der Arthroskopie mechanisch raue Knorpelflächen geglättet und losgelöste Teile der Knorpel entfernt, spricht man von einem Debridement [1, 2].

Wer kann eine Operation des Kniegelenks in Betracht ziehen?

Erwachsene, die aufgrund von Verschleiß im Knie unter starken Schmerzen und Gelenkbeschwerden (z.B. Bewegungseinschränkungen) leiden.

Welche alternativen Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Nicht-operative (konservative) Behandlungen sind die Veränderung des Lebensstils (z.B. Sport, Gewichtsabnahme), äußerliche Behandlungen (z.B. Physiotherapie), medikamentöse (Schmerz-)Therapien und Steroidinjektionen. Bei einer Steroidinjektion wird ein Kortikosteroid (z.B. Triamcinolon, Hydrokortison oder Methylprednisolon) direkt in das von Arthrose betroffene Gelenk gespritzt (intraartikulär). Dabei handelt es sich um einen Wirkstoff, der entzündungshemmend, abschwellend und damit schmerzdämpfend wirken soll [3].

Die Faktenbox

In der Faktenbox werden Kniegelenkoperationen mit Operationen ohne tatsächlichen Eingriff (Schein-Behandlung) bzw. nicht-operativen Behandlungsmethoden hinsichtlich ihres Nutzens und Schadens miteinander verglichen. Zu den nicht-operativen Methoden gehören beispielweise die Veränderung des Lebensstils durch Sport, Gewichtsabnahme oder Physiotherapie, aber auch medikamentöse Schmerztherapien sowie Steroidinjektionen. Die Patient*innen wurden bis zu 24 Monate lang beobachtet.

Was ist der Nutzen einer Arthroskopie? Welche Schäden können auftreten?

Möglicher Nutzen

Mögliche Schäden

Die Grafiken lesen sich wie folgt:

79 von je 100 Patient*innen spürten nach der Operation des Kniegelenks mindestens eine leichte Verbesserung der Schmerzen. Bei einer nicht-operativen oder einer Schein-Behandlung war dies bei 67 von je 100 Patient*innen der Fall. Damit führt eine Operation des Kniegelenks bei etwa 12 von je 100 Patient*innen zu einer mindestens leichten Verbesserung der Schmerzen im Knie in den ersten drei Monaten.

In beiden Gruppen bekam binnen 24 Monaten nach der Behandlung jeweils einer von je 100 Patient*innen ein künstliches Kniegelenk [2].

Die Zahlen in der Faktenbox sind gerundet. Sie basieren für den Endpunkt Schmerzen auf 9 Studien mit knapp 1.102 Teilnehmenden. Für den Punkt Beweglichkeit beziehen sich die Daten auf 6 Studien mit 835 Teilnehmenden. Für den Untersuchungspunkt Künstliches Kniegelenk beziehen sich die Daten auf 2 Studien mit insgesamt 497 Teilnehmenden [2].

Kurze Zusammenfassung

Eine Operation des Kniegelenks führte nach 3 Monaten mindestens zu einer leichten Verbesserung der Schmerzen und der Beweglichkeit des Knies. Dieser Unterschied konnte jedoch nach zwölf bis 24 Monaten nicht mehr nachgewiesen werden. Es ist nicht möglich zu beurteilen, wie viele Patienten Komplikationen durch die Operation erlebt haben. Etwa gleich viele Patienten erhielten innerhalb von zwei Jahren ein künstliches Kniegelenk.

Was ist noch zu beachten?

Die Formulierung „mindestens leichte Verbesserung“ bezieht sich auf die Messung mit einer 100-Punkteskala, in welche die Patient*innen vor und nach der Behandlung ihr Empfinden zu Schmerzen und Beweglichkeit einzeichnen sollten. Um einen Unterschied messbar zu machen, wird in der klinischen Forschung aus allen eingetragenen Werten vor und nach der Behandlung der Durchschnitt gebildet und die Werte miteinander verglichen. Die kleinste durchschnittliche Verbesserung wurde in den Studien dann mit 12 Punkten auf der 100-Punkteskala als „mindestens leichte Verbesserung“ festgelegt.

Die mindestens leichten Verbesserungen der Schmerzen und der Beweglichkeit in den ersten 3 Monaten waren nach 12 Monaten nicht mehr nachweisbar [2].

Wie jeder operative Eingriff sind auch Arthroskopien mit dem Risiko von Komplikationen (zum Beispiel Blutgerinnsel, Gelenkinfektionen oder Nervenschädigungen) in Verbindung zu bringen. Die in den Studien dokumentierten Ergebnisse reichen jedoch nicht aus, um das Risiko der Komplikationen bei diesem Eingriff eindeutig beurteilen zu können [2].

Liefern die Ergebnisse einen Beweis (Evidenz) für den Nutzen und Schaden der Operation des Kniegelenks bei Verschleiß im Knie?

Die Beweislage wurde von den Autoren der eingeschlossenen Übersichtsarbeit ermittelt. Nach deren Bewertung hat die Beweislage, je nach betrachtetem Nutzen oder Schaden, eine moderate bis hohe Qualität: Einige Ergebnisse könnten durch weitere Forschung verändert werden (moderate Beweislage), bei anderen ist es sehr unwahrscheinlich, dass sie durch weitere Forschung verändert werden (hohe Beweislage) [2].


Quellen

Die Faktenbox wurde erstellt durch: © Harding-Zentrum für Risikokompetenz (Direktor Gerd Gigerenzer) an der Fakultät für Gesundheitswissenschaften Brandenburg (Universität Potsdam). Die Informationen für die Faktenbox wurden den folgenden Quellen entnommen:

[1] IQWIG. Arthrose 2018. Abrufbar unter: www.gesundheitsinformation.de/arthrose.2700.de.html (15.12.2020.)

[2] Brignardello-Petersen R, Guyatt GH, Buchbinder R et al. Knee arthroscopy versus conservative management in patients with degenerative knee disease: a systematic review. BMJ Open; 2017: 7-e016114. doi: 10.1136/bmjopen-2017-016114.

[3] Jüni P, Hari R, Rutjes AWS, et al. Intra-articular corticosteroid for knee osteoarthritis. Cochrane Database Syst Rev 2015(10). doi: 10.1002/14651858.CD005328.pub3.

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