Wie können wir Ihnen helfen?

07431/10-2424

Die Pflegereform kommt 2015

Was besser wird, was neu dazu kommt, was es kostet

20.10.2014

Die Reform der Pflegeversicherung ist auf einem guten Weg. In einem ersten Schritt wird es ab 2015 in etlichen Bereichen verbesserte Leistungen geben, die höhere Belastung der Beitragszahler fällt vergleichsweise moderat aus. Darüber hinaus sorgen Neuerungen wie die geplante Gleichstellung körperlich und demenziell Pflegebedürftiger für einen engeren Bezug zu gegebenen Pflege-Sachverhalten und demoskopischen Voraussetzungen.

Lernen Sie unsere Pflegeleistungen kennen

Verbesserte Leistungen

Die Verbesserungen zum 1. Januar 2015 orientieren sich an der Preisentwicklung seit der vorausgegangenen Erhöhung im Jahre 2012: Um 4 Prozent sollen alle Leistungen angehoben werden. Das betrifft die Pflegesachleistung, das Pflegegeld, die  Verhinderungs-, Tages- und Kurzzeitpflege sowie die stationäre Pflege. Dies gilt auch für die zusätzlichen Betreuungsleistungen bei Demenz. In der Pflegestufe II zum Beispiel gibt es dann statt 1.100 Euro für Pflegesachleistungen 1.144 Euro, das Pflegegeld steigt von 440 Euro auf 458 Euro.

Weitere Verbesserungen

Zusätzliche Leistungen für Demenzkranke, die erst 2013 eingeführt wurden (u.a. Pflegegeld und -sachleistungen), werden um rund 2,7 Prozent angehoben. Gleichzeitig ist vorgesehen, dass sie in der Stufe 0 neben der Verhinderungspflege künftig für Tages-/Nachtpflege bis zu 231 Euro und für Kurzzeitpflege bis zu 1.612 Euro erhalten. Diese Verbesserungen sind längst überfällig: Nach 20 (!) Jahren sollen die monatliche Pauschale für Pflegeverbrauchsmittel (z.B. Bettschutzeinlagen) von 31 Euro auf 40 Euro (+ 30 Prozent) und der (Höchst-)Zuschuss für Anpassungen an die häusliche Pflegesituation von derzeit 2.557 Euro auf 4.000 Euro steigen (+ 56 Prozent). Damit werden Maßnahmen, die das Wohnumfeld verbessern,  wie zum Beispiel Rollstuhlrampen, begehbare Duschen und Türverbreiterungen endlich deutlich gefördert.

Die häusliche Pflege hat Vorrang

Über zwei Drittel aller Pflegebedürftigen in Deutschland werden zu Hause gepflegt. Damit dies auch in Krisensituationen, zum Beispiel bei Verhinderung der Pflegeperson oder für eine Übergangszeit nach einer stationären Behandlung, gewährleistet ist, werden Kurzzeit- und Verhinderungspflege flexibler nutzbar sein.

Das kann sich sehen lassen

Die Verhinderungspflege soll künftig von vier auf sechs Wochen und ggf. um 50 Prozent der für Kurzzeitpflege nicht in Anspruch genommenen Beträge erweitert werden. Andererseits erhöhen sich Leistungsbetrag und -dauer für die Kurzzeitpflege in dem Umfang der nicht beanspruchten Verhinderungspflege entsprechend. Damit nicht genug: Die Tages-/Nachtpflege wird künftig ohne Anrechnung auf Pflegesach- und -geldleistungen möglich sein. Neu eingeführt werden neben den künftig flexibler gestalteten Betreuungs- auch sogenannte Entlastungsleistungen, zum Beispiel für Servicezwecke oder die hauswirtschaftliche Versorgung. Dafür kann auch ein Teil der Pflegesachleistung verwendet werden.

Ausgleich für berufstätige Angehörige und zusätzliche Angebote

Wer kurzfristig die Pflege eines Angehörigen organisieren muss, zum Beispiel nach einem Schlaganfall, soll ab 2015 eine Lohnersatzleistung für eine bis zu zehntägige Auszeit vom Beruf erhalten, vergleichbar dem „Kinderkrankengeld” der gesetzlichen Krankenversicherung. In Pflegeheimen sollen zusätzliche Angebote für die Betreuung und Aktivierung aller Bewohner finanziert werden (bis zu 20.000 zusätzliche Betreuungskräfte).

Höhere Beiträge ab 2015

Aktuellen Umfragen zufolge ist der überwiegende Teil der Bevölkerung bereit, für bessere Leistungen bei Pflegebedürftigkeit höhere Beiträge zu bezahlen. Beabsichtigt ist in einem ersten Schritt, den Beitragssatz von derzeit 2,05 Prozent auf 2,35 Prozent (Kinderlose auf 2,6 Prozent) anzuheben. Bei einem Bruttoverdienst von 2.800 Euro beträgt die Mehrbelastung je 4,20 Euro monatlich für Arbeitnehmer und Arbeitgeber; freiwillig Versicherte und Rentner tragen den Beitrag in der Regel selbst. Von den erwarteten Mehreinnahmen in Höhe von 3,63 Milliarden Euro sollen 2,4 Milliarden für verbesserte Leistungen und 1,2 Milliarden für den neu geplanten Pflegevorsorgefonds verwendet werden. Eine weitere Erhöhung um 0,2 Prozentpunkte soll Mehrausgaben infolge der Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs finanzieren.

Neu: der Pflegevorsorgefonds

Durch den Pflegevorsorgefonds – einmalig in der Geschichte der Sozialversicherung – soll ein künftiger Beitragsanstieg abgemildert werden, wenn um das Jahr 2030 die geburtenstarken Jahrgänge das Pflegealter von rund 75 Jahren erreichen. Die Verwaltung soll der Deutschen Bundesbank als neutraler Stelle übertragen werden. Es ist vorgesehen, jährlich 0,1 Prozent der beitragspflichtigen Einnahmen oder umgerechnet 1,2 Milliarden Euro zurückzulegen.

Fünf Pflegegrade statt drei Pflegestufen

Seit der Einführung der Pflegeversicherung ist insbesondere der körperliche Hilfebedarf für die jeweiligen Pflegestufen maßgebend. Dieses System grenzt Menschen mit demenziellen Fähigkeitsstörungen, geistigen Behinderungen und psychischen Erkrankungen weitgehend aus, ungeachtet der 2002 eingeführten, sukzessive aufgestockten Leistungen für Menschen mit einem erheblichen allgemeinen Betreuungsbedarf, wofür 2008 die sogenannte Pflegestufe „0” definiert wurde.

Gleichbehandlung von körperlicher und geistiger Beeinträchtigung

Allen Beteiligten war klar, dass nur ein System gerecht ist, das körperliche und geistige Beeinträchtigungen gleich bewertet. Gegenwärtig geht es um 2,5 Millionen demenzkranke Menschen in Deutschland, 2030 werden es rund 3,5 Millionen sein. Der dazu berufene Beirat hat seinen Vorschlag mit fünf Pflegegraden anstelle der bisherigen drei Pflegestufen vorgelegt. Durch zwei Modellprojekte soll einerseits festgestellt werden, ob das geplante System praktikabel und gerecht ist, andererseits soll der Bedarf an Pflegekräften in Pflegeheimen beurteilt werden. Mit der Einführung der fünf Pflegegrade wird erst zum Jahre 2016 bzw. 2017 gerechnet.

Aktuelle Tipps und Infos unter:

Kontaktmöglichkeiten der BKK Groz-Beckert